Ein Geheimcode ist eine Formulierung, die freundlich klingt und als Warnung gelesen wird. Das Gesetz verbietet solche Sätze (§ 109 Abs. 2 GewO), trotzdem stehen sie in vielen Zeugnissen, häufig übernommen aus alten Vorlagen. Die Tabelle zeigt die bekanntesten mit ihrer üblichen Lesart.
| Formulierung | Übliche Lesart | Quelle |
|---|---|---|
| „trug durch ihre Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei“ | Hinweis auf Alkohol am Arbeitsplatz | ver.di |
| „war stets bemüht, die Aufgaben zu erledigen“ | Der Wille war da, das Ergebnis nicht | karrierebibel |
| „verfügt über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen“ | Wenig Wissen, durch forsches Auftreten überspielt | ver.di |
| „hatte Gelegenheit, sich das notwendige Wissen anzueignen“ | Die Gelegenheit wurde nicht genutzt | ver.di |
| „zeigte für seine Arbeit Verständnis“ | Faul, wenig geleistet | ver.di |
| „setzte sich für die Interessen der Kollegen ein“ | Betriebsrats- oder Gewerkschaftsarbeit, gehört nicht ins Zeugnis | ver.di |
| „löste die Aufgaben in seinem und im Interesse der Firma“ | Verdacht auf Diebstahl oder Unkorrektheiten | ver.di |
| „arbeitete mit größter Genauigkeit“ | Langsamer, unflexibler Pedant | ver.di |
| „mit erfrischender Offenheit“ | Frech, widerspenstig | ver.di |
| „erledigte die Aufgaben mit der ihm eigenen Sorgfalt“ | Chaos war normal | ver.di |
| „delegierte Aufgaben mit vollem Erfolg“ | Hat Arbeit auf andere abgewälzt | ver.di |
| „war ein verständnisvoller Vorgesetzter“ | Konnte sich nicht durchsetzen | karrierebibel |
| „war im Rahmen seiner Möglichkeiten tätig“ | Den Aufgaben nicht gewachsen | karrierebibel |
| „durch seine Pünktlichkeit stets ein Vorbild“ | Sonst gab es wenig zu loben | karrierebibel |
| „war sehr tüchtig und in der Lage, ihre eigene Meinung zu sagen“ | Aufsässig; so vom LAG Hamm gewertet | Wikipedia |
| „Wir wünschen ihm alles Gute, vor allem Gesundheit“ | Hinweis auf häufige Krankheit | verbreitete Lesart |
| „Wir trennten uns von ihr“ | Kündigung durch den Arbeitgeber | karrierebibel |
Quellen: ver.di, ABC der Zeugnissprache; karrierebibel.de, Arbeitszeugnis Formulierungen; Wikipedia, Artikel „Arbeitszeugnis“.
Was außerdem nicht ins Zeugnis gehört
Krankheiten und Fehlzeiten, Schwangerschaft und Elternzeit (außer auf Wunsch), Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit (außer auf Wunsch), Abmahnungen, Kündigungsgründe bei Kündigung durch den Arbeitgeber, Strafverfahren. Steht so etwas in Ihrem Zeugnis, weist der Bericht darauf hin.
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Sind Geheimcodes verboten?
Ja. Nach § 109 Abs. 2 GewO darf ein Zeugnis keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die eine andere Aussage treffen sollen, als aus der äußeren Form oder dem Wortlaut hervorgeht. Viele dieser Wendungen tauchen trotzdem auf, oft aus alten Vorlagen und ohne böse Absicht.
Bedeutet jede dieser Formulierungen immer das Schlimmste?
Nein. Die Bedeutungen sind verbreitete Lesarten, keine Beweise. Manche Arbeitgeber benutzen „pünktlich“ oder „gesellig“ arglos. Im Bericht unterscheiden wir deshalb zwischen starken Codes, häufigen Negativ-Lesarten und Inhalten, die nicht ins Zeugnis gehören.