„Schreib mal einen Entwurf, ich unterschreibe dann.“ Diesen Satz hören viele beim Abschied, besonders in Betrieben ohne Personalabteilung. Er klingt nach Vertrauen und ist eine echte Aufgabe. Wer Zeugnissprache nicht kennt, schreibt „Sie hat ihre Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt“ und hat sich damit eine Drei gegeben.
Warum ein Vorwurf nicht ins Zeugnis gehört
Kurz gesagt: Ein Satz über Verspätungen steht in kaum einem Arbeitszeugnis. Unpünktlichkeit wirkt an zwei Stellen: in der Note der Zufriedenheitsformel und darin, dass das sonst übliche Lob für Zuverlässigkeit fehlt. Einzelne oder entschuldigte Verspätungen bleiben draußen, weil ein Zeugnis wahr und zugleich wohlwollend sein muss (§ 109 GewO).
Das Zeugnis muss der Wahrheit entsprechen und darf das weitere Fortkommen nicht unnötig erschweren (BAG, Urteil vom 03.03.1993, 5 AZR 182/92). Beides zusammen heißt: Sie dürfen nichts Unwahres schreiben, müssen aber auch nicht jede Schwäche benennen. Drei verschlafene Montage in zwei Jahren prägen kein Arbeitsverhältnis und haben im Zeugnis nichts zu suchen.
Dasselbe gilt für Verspätungen, die nicht in der Hand des Mitarbeiters lagen, etwa ein Zugausfall oder eine gesperrte Straße. Und wie Krankheit, Elternzeit oder eine Abmahnung bleiben auch die Umstände einzelner Vorfälle außen vor. Ein Zeugnis beschreibt das Gesamtbild der Beschäftigungszeit, keine Chronik der Ausnahmen.
Bleibt echte, über die ganze Zeit wiederkehrende Unpünktlichkeit, dann lautet die Frage nicht, wie man sie anklagt, sondern wie man sie bewertet. Dafür hat die Zeugnissprache einen eigenen Weg.
Wo Unpünktlichkeit im Zeugnis sichtbar wird
Erstens über die Gesamtnote der Leistung. Sie steckt in dem Satz mit der Zufriedenheit, und jedes Wort darin verschiebt die Stufe.
| Satz im Zeugnis | Note |
|---|---|
| stets zu unserer vollsten Zufriedenheit | sehr gut |
| stets zu unserer vollen Zufriedenheit | gut |
| zu unserer vollen Zufriedenheit | befriedigend |
| zu unserer Zufriedenheit | ausreichend |
Wer regelmäßig zu spät kam, hat die Erwartungen eben nicht stets erfüllt. Die Stufe entsprechend tiefer anzusetzen ist der übliche Weg, und jeder erfahrene Leser versteht ihn. Das Bundesarbeitsgericht hat diese Lesart bestätigt (9 AZR 584/13).
Zweitens über das, was nicht dasteht. In einem guten Zeugnis wird die Arbeitsweise ausdrücklich gelobt, meist mit Wörtern wie sorgfältig, selbstständig, zuverlässig und pünktlich. Fehlt die Zuverlässigkeit in einer sonst vollständigen Aufzählung, fällt das auf. Das Weglassen ist kein versteckter Code, sondern die Kehrseite des Lobs: Wer nicht lobt, hat bewertet.
Freie Formulierungen und wie sie gelesen werden
Sätze wie „Sie hielt die vereinbarten Arbeitszeiten nicht durchgehend ein“ sind keine anerkannte Zeugnisformel, sondern eine freie Aussage. Ein Leser versteht sie als das, was sie ist: eine ausdrückliche Rüge. Sie zieht das Zeugnis stärker nach unten als jede Notenstufe und muss im Streitfall belegbar sein.
Verlassen Sie sich auch nicht darauf, dass eine selbst gebaute Umschreibung genau die gewünschte Stufe trifft. Entweder die Leistung rechtfertigt eine schlechtere Note, dann setzen Sie die Note; oder sie tut es nicht, dann bleibt die Verspätung außen vor. Einen Mittelweg aus angedeutetem Vorwurf und guter Note gibt es nicht.
Der häufigste Fehler: Note und Text passen nicht zusammen
Oben die Höchststufe, unten ein Hinweis auf Verspätungen: Diese Kombination macht das Zeugnis unglaubwürdig und ist die größte Angriffsfläche. Prüfen Sie am Ende, ob Gesamturteil, Arbeitsweise und Verhalten dieselbe Geschichte erzählen. Welche Sätze zu welcher Note gehören, steht Bereich für Bereich unter Formulierungen nach Note.
Getrennt davon steht das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen. Unpünktlichkeit ist ein Thema der Arbeitsweise, nicht des Umgangs miteinander. Wer beides vermischt, wertet zweimal für dieselbe Sache ab, und auch das sieht ein geübter Leser sofort.
Wenn der Hinweis im eigenen Zeugnis steht
Finden Sie in Ihrem Zeugnis einen Satz zur Arbeitszeit, lohnt der genaue Blick: Trifft er zu? Steht er im Verhältnis zur Dauer der Beschäftigung? Passt er zu der Note im Satz zur Zufriedenheit? Bei einer unwahren Angabe können Sie eine Berichtigung verlangen. Ob Ihnen eine bestimmte Note zusteht, ist eine Rechtsfrage; dafür sind Gewerkschaft, Fachanwalt für Arbeitsrecht oder Rechtsschutzversicherung die richtigen Stellen. Jeden Satz mit Bedeutung und Note bekommen Sie unter Zeugnis prüfen für 12,90 €.
Entwurf mit einer Note, die trägt
Sollen Sie Ihren Entwurf selbst vorlegen, hilft die Seite Arbeitszeugnis selbst schreiben beim Aufbau. Im Formular geben Sie eine Gesamtnote an und setzen einzelne Bereiche eine Stufe höher oder tiefer, etwa Fachwissen gut und Arbeitsweise befriedigend. So landet eine schwächere Pünktlichkeit dort, wo sie im Zeugnis hingehört, ohne dass ein Vorwurfssatz nötig wird. Angaben eintragen, und Sie bekommen den Entwurf als Word und PDF, dazu das Erklärblatt, das jeden Satz mit seiner Note zeigt.
- Zeugnisentwurf aus Ihren Stichpunkten24,90 €Für Arbeitnehmer, die ihr Zeugnis vorschreiben sollen: Word und PDF in Ihrer Wunschnote, mit Erklärblatt für den Aussteller. Fertig in etwa 15 Minuten.
- Arbeitszeugnis für Arbeitgeber (29 € netto)34,51 €Für Betriebe ohne Personalabteilung: unterschriftsreif auf Ihrem Briefkopf, mit Logo, Word und PDF. Fertig in etwa 15 Minuten.
Dazu wählbar: Englische Fassung zum Entwurf für 14,90 €, Englische Fassung zum Arbeitgeber-Zeugnis (12 € netto) für 14,28 €.
Arbeitnehmer-Entwurf und Englisch dazu inklusive 19 % Umsatzsteuer. Arbeitgeber-Zeugnis 29 € zuzüglich Umsatzsteuer (34,51 € brutto), Englisch dazu 12 € zuzüglich Umsatzsteuer, nur für Unternehmer. Einmalpreis, kein Abo.
Das Bestellformular wird geladen.
Darf Unpünktlichkeit im Arbeitszeugnis stehen?
Eine wahre Angabe ist nicht verboten, aber unüblich. Weil das Zeugnis zugleich wohlwollend sein muss, bleiben einzelne oder entschuldigte Verspätungen außen vor. Üblich ist die Bewertung über die Zufriedenheitsformel, nicht ein eigener Satz zu den Arbeitszeiten.
Woran erkenne ich, dass mein Zeugnis Unpünktlichkeit andeutet?
An zwei Zeichen: Die Zufriedenheitsformel liegt eine Stufe unter dem, was Sie erwartet hätten, und in der Aufzählung zur Arbeitsweise fehlt die Zuverlässigkeit, obwohl andere Eigenschaften gelobt werden. Beides zusammen liest ein Personalverantwortlicher als Hinweis.
Mein Arbeitgeber will die Verspätungen ausdrücklich hineinschreiben. Muss ich das hinnehmen?
Nur, wenn es zutrifft und für das Arbeitsverhältnis prägend war. Bei einzelnen oder entschuldigten Vorfällen können Sie um Streichung bitten, bei einer unwahren Angabe eine Berichtigung verlangen. Über die Note selbst entscheidet der Arbeitgeber.
Gehört eine Abmahnung wegen Unpünktlichkeit ins Zeugnis?
Nein. Abmahnungen gehören nicht in ein Arbeitszeugnis, auch nicht als Andeutung. Hat das Verhalten die Leistung über die gesamte Zeit geprägt, schlägt sich das in der Note nieder, nicht in einem Hinweis auf die Abmahnung.
